Im Schienenfahrzeugbau entscheidet nicht nur die elektrische Performance einer Leiterplatte – sondern auch ihr Verhalten im Brandfall. Die EN 45545-2 definiert dafür klar strukturierte Prüfverfahren, die je nach Einordnung der Komponente angewendet werden. Für unbestückte Leiterplatten sind insbesondere die Anforderungssätze R24 und R25 relevant.
Beide Prüfkonzepte verfolgen unterschiedliche Ansätze – gemeinsam sichern sie das Brandverhalten unserer Materialkombinationen aus Basismaterial und Lötstopplack normkonform ab.
Prüfziel
R24 bewertet die grundsätzliche Entzündbarkeit eines Materials. Gemessen wird die minimale Sauerstoffkonzentration, bei der ein Werkstoff gerade noch selbstständig brennt. Je höher dieser Wert, desto schwerer ist das Material entflammbar.
Prüfablauf
Nach EN ISO 4589-2 wird eine definierte Probengeometrie vertikal in einem Prüfzylinder angeordnet. Ein kontrolliertes Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch umströmt die Probe. Durch Variation des Sauerstoffanteils wird ermittelt, ab welcher Konzentration eine stabile Flammenausbreitung möglich ist.
Messgröße
Ergebnis ist der sogenannte Oxygen Index (OI) in Volumenprozent.
Kurzdefinitionen
Gefährdungsstufe: HL steht für „Hazard Level“
HL1, HL2 und HL3 definieren das brandschutztechnische Risikoniveau eines Schienenfahrzeugs.
Je höher die Gefährdungsstufe, desto strenger sind die Anforderungen an die eingesetzten Materialien.
OI = Oxygen Index
LOI = Limiting Oxygen Index
Beides bezeichnet denselben Messwert aus der Prüfung nach EN ISO 4589-2.
Bewertung
Die EN 45545-2 legt Mindestwerte für verschiedene Gefährdungsstufen fest:
Der OI oder LOI ist damit ein materialintrinsischer Kennwert – er beschreibt die grundlegende Entzündbarkeit des geprüften Leiterplattenaufbaus. Zum Vergleich: Umgebungsluft enthält etwa 21 % Sauerstoff.
Prüfziel
R25 simuliert eine realistische Zündquelle, wie sie durch überhitzte Kontakte oder elektrische Fehler entstehen kann. Im Fokus steht nicht die Flammenausbreitung, sondern das Verhalten des Materials bei direktem thermischem Kontakt.
Prüfablauf
Nach EN 60695-2-11 wird ein elektrisch beheizter Glühdraht auf 850 °C erhitzt und für 30 Sekunden mit definierter Kraft gegen die Probe gedrückt. Anschließend wird das Brandverhalten beobachtet.
Bewertungskriterien
Geprüft wird:
Bestehenskriterium
Keine Flammenbildung länger als 30 Sekunden nach Entfernen des Glühdrahts und kein entzündetes Abtropfen. Für HL1, HL2 und HL3 gilt jeweils dieselbe Prüftemperatur von 850 °C.
R24 bewertet die grundsätzliche Entzündbarkeit eines Materials. R25 simuliert eine reale elektrische Fehlerquelle.
Gemeinsam stellen diese Prüfungen sicher, dass unsere unbestückten Leiterplatten nicht nur funktional, sondern auch brandschutztechnisch für den Einsatz im Schienenfahrzeug qualifiziert sind.