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Leiterplatten, Nachhaltigkeit, Forschung & Entwicklung
19. Mai 2026
Lesezeit: 3 Min.

Cellutronik: Wenn Bakterien zum Ausgangspunkt für Leiterplatten werden

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Bild zeigt eine Zellulose-Masse in den Händen eines F&E Kollegen, der blaue Handschuhe trägt

Nachhaltigkeit in der Elektronik ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern eine konkrete Entwicklungsaufgabe. Mit dem Forschungsprojekt Cellutronik geht Würth Elektronik Circuit Board Technology gemeinsam mit der Universität Stuttgart und der Hahn-Schickard-Gesellschaft einen Schritt weiter: hin zu biobasierten Schaltungsträgern und digitalisierten Fertigungsprozessen für Leiterplatten der nächsten Generation.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und gestartet im November 2025.

Bakterielle Cellulose als neue Materialbasis

Im Zentrum von Cellutronik steht ein ungewöhnlicher Ansatz: bakterielle Cellulose als Substratmaterial für Leiterplatten. Dieses Material wird mithilfe von Mikroorganismen im Labor erzeugt und anschließend zu stabilen, plattenförmigen Strukturen weiterverarbeitet.

Die Idee dahinter ist klar: perspektivisch erdölbasierte Materialien in der Elektronik zu ersetzen und so die Umweltbelastung über den gesamten Produktlebenszyklus deutlich zu reduzieren.

Vom Labormaterial zur industriellen Anwendung

Damit aus einer Materialidee eine reale technologische Option wird, braucht es mehr als Grundlagenforschung.

  • Die Universität Stuttgart entwickelt geeignete Prozesse zur Herstellung der Cellulosefasern.
  • Hahn-Schickard arbeitet an additiven Fertigungsverfahren und digitalen Drucktechnologien.
  • Würth Elektronik Circuit Board Technology bringt die Perspektive der industriellen Leiterplattenfertigung ein.

Der Fokus liegt dabei nicht nur auf dem „Ob“, sondern vor allem auf dem „Wie“: Wie lässt sich ein neues Material in bestehende Produktionsprozesse integrieren?

Digitale Fertigung direkt auf dem Substrat

Ein zentraler Baustein des Projekts ist der Einsatz moderner Drucktechnologien. Leitfähige Strukturen werden mittels Inkjetdruck direkt auf die Celluloseoberflächen aufgebracht. Kupfer- und Silbertinten bilden dabei präzise Leiterbahnen genau dort, wo sie benötigt werden.

Das Ergebnis:

  • reduzierte Materialverbräuche
  • weniger Abfall
  • kürzere Prozesszeiten
  • neue Freiheitsgrade im Leiterplattendesign

Ein zusätzlicher Vorteil: Sowohl Substrate als auch Leiterbahnen sind lötfähig und damit grundsätzlich kompatibel mit bestehenden Bestückungsprozessen.

Industrie und Forschung im Schulterschluss

Cellutronik folgt einem klaren Prinzip: Forschung darf nicht im Labor enden.

Stattdessen steht die industrielle Umsetzbarkeit von Anfang an im Mittelpunkt. Genau hier entsteht der Mehrwert der Zusammenarbeit – neue Technologien werden so entwickelt, dass sie perspektivisch in reale Fertigungsumgebungen übertragbar sind.

Dieser Ansatz entspricht der Entwicklungsphilosophie von Würth Elektronik Circuit Board Technology: Innovation entlang echter Kundenanforderungen und industrieller Prozesse.

Blick nach vorn: Demonstrator für mehrlagige Leiterplatten

Zum Projektabschluss ist ein Demonstrator geplant, der die Herstellung mehrlagiger Leiterplatten auf Basis von Cellulose und digitalen Druckverfahren zeigt.

Damit soll belegt werden, dass:

  • nachhaltige Schaltungsträger technisch realisierbar sind
  • digitale Fertigung neue Designmöglichkeiten eröffnet
  • ökologische Vorteile und industrielle Anforderungen zusammengebracht werden können

Langfristig verfolgt Cellutronik ein ambitioniertes Ziel: Elektroniklösungen zu ermöglichen, die am Ende ihres Lebenszyklus deutlich weniger Umweltbelastung verursachen.

Fazit

Cellutronik zeigt, wie stark sich Materialinnovation und Fertigungstechnologie gegenseitig beeinflussen können. Was heute noch nach Forschung klingt, kann ein wichtiger Baustein für nachhaltigere Elektronik von morgen werden.

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