„Es geht nicht nur darum billig zu sein“

Oliver Konz, CEO der Würth Elektronik eiSos Gruppe, im Gespräch mit dem pro Magazin und der Zeitschrift GLOBAL CONTACT.

Was bedeutet Globalisierung für Würth Elektronik eiSos konkret?

Wir sind vor rund 20 Jahren in den Markt für elektronische Bauelemente eingetreten, der sehr stark von japanischen und anderen asiatischen Unternehmen beherrscht wird. Wir wollten zeigen, dass man auch als deutsches Unternehmen in der Elektronik erfolgreich sein kann. Es geht ja nicht nur darum billig zu sein. Der Kostenfaktor ist natürlich wichtig, aber man kann sich differenzieren, auch im Bereich Elektronik. Wir haben inmitten der Globalisierung diesen Weg eingeschlagen und mussten dazu anders vorgehen als unser Mutterunternehmen, etwa beim Aufbau von IT-Strukturen, der globalen Ansprache von Kunden und der Schnelligkeit.

Welche Bedeutung hat der Standort Deutschland für Würth Elektronik eiSos?

Nicht nur Deutschland, sondern Europa spielt für uns eine sehr wichtige Rolle, weil es für die Segmente, in denen wir tätig sind, noch eine große Kundschaft in Europa gibt. Wir brauchen dazu Entwicklungsleistungen, die unsere Ingenieure in Europa liefern, und produzieren hier auch die ersten Prototypen. Automatisierte Produktion siedeln wir in Europa an, und wo wir manuell produzieren und die entsprechende Flexibilität vorhalten müssen, gehen wir nach Asien. Das verstehen viele nicht: Es geht nicht einfach darum, dass man billige Arbeit will, sondern flexible Produktion setzt voraus, dass Sie manuelle Prozesse mit vielen Mitarbeitern bewerkstelligen, die Sie in Europa gar nicht bekommen würden. Wir müssen also immer entscheiden, wie weit wir automatisieren und wo wir dann letztendlich mit der Produktionslinie hingehen.

Sie haben Europa also noch nicht abgeschrieben?

Keinesfalls. Europa ist für uns extrem wichtig. Wir müssen aber bedenken: Wir haben in Deutschland eine starke Automobilindustrie, aber man sieht in Frankreich, was passiert, wenn es ihr nicht mehr so gut geht. Wir sind in Deutschland stark abhängig von der Autoindustrie und brauchen außer der Chemie noch ein paar andere Industriezweige im Land. Ich wünsche mir, dass wir uns noch in andere Richtungen diversifizieren, damit wir in Deutschland und Europa nachhaltig Arbeitsplätze schaffen.

Die beiden kompletten Berichte als Download