Harish Dayanand Shivamogga

Der Lieblingsgott kommt aus der großväterlichen Linie

„Mach alles, was Du machst, gut!“

Kurzvorstellung:

Harish +++ Software-Entwickler +++ gute Emotional-Bilanz +++ Win-Win für alle

WE: Harish, Du arbeitest jetzt 8 Jahre für Würth Elektronik, aber nicht die ganze Zeit in Deutschland…

Harish: Nein, geboren und aufgewachsen in Indien, bin ich zunächst viel zwischen dem indischen Standort Mysore und Deutschland hin- und hergeflogen, bis ich mich ganz für Deutschland entschieden habe.

WE: Wie kam es zu der Entscheidung?

Harish: Ich mag die Kultur und das Arbeitsleben bei Würth Elektronik. Mir war es wichtig, die Produktivität und das Tempo zu steigern. Und ich wollte mich noch intensiver vernetzen und einbringen. Schulter an Schulter. Das habe ich vorher vermisst.

WE: Was sagte Deine Familie zu dem Entschluss?

Harish: Meine Eltern haben es genehmigt, aber ich mache mit meiner Frau jedes Jahr vier bis fünf Wochen Urlaub in Indien.

WE: Was war für Dich das Erstaunlichste am Anfang in Deutschland? Was fiel Dir besonders auf?

Harish: Meine Frau und ich sind sehr offen für die deutsche Kultur und lernen gerne Neues. Daher nutzen wir gerne die Angebote hier und besuchen zum Beispiel den Pferdemarkt oder die Stiftskirche. Was wir schlecht fanden, war, dass Erwachsene neben einem Kind rauchen.

WE: Welche Erfahrung hast Du mit Akzeptanz in Deutschland gemacht?

Harish: Ausschließlich gute. Das beginnt mit den Erfahrungen im Rathaus, im Hohenlohekreis, wie zuvor im Ostalb-Kreis, mit Nachbarn, die einen unterstützen, oder Vermietern, die uns gegenüber sehr aufgeschlossen sind.

WE: Besteht diese Offenheit auch Deiner Religion gegenüber?

Harish: Ich bin Hindu. Meine Religion ist wichtig für mich. Sie gehört zu meiner Kultur und zu meiner Familie. Bisher gab es keine Konflikte. Im Gegenteil, wir feiern unsere Feste auch mit Kollegen und Freunden, indem ich traditionelle, hausgemachte Süßigkeiten oder Essen mit ins Büro und zu Besuchen mitbringe.

WE: Was ist Dein Lieblings-Festtag und wie feierst Du ihn?

Harish: Das schönste ist für mich das Makara Sankranthi, ein Erntedankfest im Januar, aber auch das Ganesha Fest, bei dem man sich besucht und Gutes wünscht und das Fest Deepavali, das Lichterfest. Man schmückt das Haus mit ein bisschen mehr Blumen und Beleuchtung, kocht zusammen ein typisches Mittagessen, am Abend laden wir Freunde ein, essen und verschenken Süßigkeiten und erzählen, warum wir dieses Fest feiern.

WE: Es gibt unterschiedliche Feste, aber auch sehr viele unterschiedliche indische Gottheiten.

Harish: Das stimmt, es gibt 300.000 Hindu-Götter.

WE: Wie findet man selbst die Passenden?

Harish: Jede Familie hat einen Lieblingsgott, den man von seinem Großvater übernimmt. Wir können ihm weiter folgen. Aber auch mit 18 Jahren selbst darüber entscheiden, wenn uns eine andere Gottheit näher ist. Aber normalerweise bleibt man dabei, weil die Vertrauensstufe zu dem bekannten Gott hoch ist.

WE: Was bedeutet es für Dich, Hindu zu sein?

Harish: Es bestimmt meine Lebenseinstellung: Mach alles, was Du machst, gut. Sorge täglich für gute Emotionen, eine gute emotionale Bilanz, innerhalb der Familie, im sozialen, privaten Bereich und außerhalb. Sei tolerant. Ich esse vegetarisch. Mein Freund, der neben mir isst, muss dies nicht tun. Unser Zusammenleben soll immer für alle eine Win-Win-Situation darstellen. Auch für die Natur. So habe ich es von meinen Eltern gelernt.

WE: Gibt es in Deutschland einen für Dich erreichbaren Hindu-Tempel?

Harish: Ich habe gehört, es gibt welche in Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf. Beten kann ich aber überall. Ich mache das zuhause. Wir habe dazu einen kleinen Tisch neben dem Wohnzimmer aufgestellt, mit einer Figur, die unserem Lieblingsgott gewidmet ist. Einen Tempel für Keshava, meinen Lieblingsgott, gibt es in Beluru, (Bundestaat Karnataka).

WE: Zuhause betet ihr dann, oder wird aus einer heiligen Schrift gelesen, den Veden, die über 5000 Jahre alt sind?

Harish: Das tägliche Beten ist Pflicht, wir grüßen dabei unsere Eltern und Lieben und bitten darum, dass alle gesund bleiben, singen Lieder in unserer Muttersprache Kannada oder in Sanskrit. Heilige Schriften muss man nicht lesen, wir erzählen uns daraus kleine Geschichten – die wichtigsten.

WE: Was ist das umfassendste oder wichtigste Symbol in Deiner Religion?

Harish: Om (sprich: a–u–m). Meinem Glauben nach ist es das erste Wort in der Welt und es kommt von Gott. Es ist auch ein Mantra, ich kann damit meditieren. Dabei atme ich in den Bauch und spreche es in den Hals und die Lippen, ohne die Zunge zu nutzen. 108 Mal. Manchmal gelingt es, manchmal nicht.

WE: Meditieren ist ein gutes Stichwort. Gehört nicht auch Yoga zum Hinduismus?

Harish: Ja, zu 100 %. Ich habe es in der Schule gelernt, über 12 Jahre. Monatlich kam ein Yoga-Tutor. Ursprünglich wurde es von einem Hindu-Priester erfunden. Wir praktizieren in der Familie drei Mal die Woche den Sonnengruß. Yoga hat bei uns eine gute Bilanz. Ich fühle mich täglich bei der Arbeit aktiv, es ist gut für Kopf, Geist und Körper, für einen kontrollierten Blutdruck, die Arme und Beine und beugt Rückenschmerzen vor.

WE: Das ist natürlich sehr vorteilhaft, auch wenn man es von Kindheit an lernt.

Harish: Unter meinen Kollegen gibt es 2-3 Leute, die Yoga machen. Und manchmal kann ich Tipps geben.

WE: Wir haben ja auch WEtality-Kurse dazu – insofern eine Win-Win-Situation auch für unser Unternehmen, wenn wir gesunde, ausgeglichene Mitarbeiter haben. Vielen Dank!