Stefan Pesic & Maria Böcker

Maria: „Die „Du-Kultur gefällt mir richtig gut“

Stefan: „Mir signalisiert das Grundvertrauen“

Kurzvorstellung Maria +++ 59 Sommer jung +++ Seit 16 Jahren Ausbildungsverantwortliche +++ Besitzt noch einen richtigen Wecker und gibt gerne von ihrem Erfahrungsschatz ab

Kurzvorstellung Stefan +++ 21 Jahre +++ Ausbildung zum Industriekaufmann im 2. Lehrjahr +++Young Talent Rat +++ Wäre mit 17 schon gerne ein Jahr älter gewesen

WE: Mit welcher Musik glaubt ihr, möchte der/die jeweils andere geweckt werden?

Stefan: Ich schätze, Maria mit etwas Ruhigem, Richtung Klassik.

Maria: Ich gehe bei Stefan auf moderne Musik, kein Techno, aber etwas Wachrüttelndes.

WE: Und jetzt bitte die Auflösung. Maria was ist es bei Dir?

Maria: Keine Musik, ich habe noch einen klassischen Wecker, der tickt und piept - da bin ich ganz oldschool, und möchte wenig Strahlung um mich herum. Aber es wäre klassische Musik, wirklich was Ruhigeres.

WE: Stefan?

Stefan: Zunächst angenehme Musik, bzw. Tonfolgen beim Wecker, aber als zweiter oder dritter Song dürfte es etwas Poppiges sein, Hip Hop oder Rap.

WE: Nennt spontan eine Sache, die euch bei WE gefällt.

Maria: Die Du-Kultur gefällt mir so richtig, richtig gut. (Anm. WE: Standortabhängig duzen sich viele Mitarbeitende unterschiedlichster Hierarchien). Wir arbeiten auf Augenhöhe, der Mensch steht im Vordergrund, Du fühlst dich gesehen, der Abstand wird verringert, Nähe geschaffen.

Stefan: Da kann ich mich voll anschließen. Die Hierarchien sind mir trotzdem immer klar, aber wenn ich in eine neue Abteilung komme, wird mir damit von Anfang an ein großes Grundvertrauen signalisiert, was sich fortsetzt, wenn mir eigene Projekte übergeben werden und ich sehr selbstständig arbeiten kann. Angst fällt dadurch komplett weg.

WE: Was bedeutet Alter für euch. In welchem Moment in eurem Leben wärt ihr schon einmal gerne älter oder jünger gewesen?

Stefan: Mit 17 habe ich mir gewünscht, schon ein Jahr älter zu sein.

Maria: Ich habe mir mit 16 gewünscht, 18 zu sein, um die Frage zu umgehen, wann ich zuhause sein musste. Wenn mein Vater gut drauf war, war das 0 Uhr, wenn nicht, schon um 22 Uhr.

WE: Inwiefern könnt ihr voneinander profitieren?

Maria: Da fällt mir ein schönes Beispiel ein: Wir machen jedes Jahr eine kreativ gestaltete Unternehmenspräsentation. Am Anfang habe ich viel vorgegeben, dann habe ich unsere Young Talents laufen lassen. Und einen Perspektivenwechsel erlebt. Ich hätte es spannend gefunden, die Präsentation wie eine Gerichtsverhandlung aufzubauen. Die Talents fanden es besser, die Höhle der Löwen nachzustellen. Daraus zog ich den Schluss: Da halt ich mich zurück. Überhaupt ist es anders, wie sie miteinander kommunizieren, Konflikte austragen. Sie haben einen anderen Weg. Dann gefällt mir auch noch die Jugendsprache, die höre ich gerne.

WE: Neue Wortkreationen?

Maria: Ja, als mir jemand sagte, „Maria, sei doch mal gechillt“, fragte ich zunächst: „Was, welches Chili?“ Ich bekam dann als Übersetzung: „Maria, beruhige Dich doch mal.“ Es ist schön, Neues zu erfahren.

Stefan: Ich denke auch, dass wir Young Talents einen anderen Blickwinkel mit reinbringen. Wenn ich ein Projekt angehe und die komplette Freiheit habe, kann ich maximal kreativ sein. Wenn ich dann aber an meine Grenzen komme, profitiere ich davon, wenn mir jemand ein Grundgerüst anbietet. Ich würde dann die Stellschrauben anpassen, aber habe eine Struktur zur Verfügung, so können wir die besten Synergien daraus ziehen.

Maria: Ich vermute, eine Grundstruktur gibt eine ganze Portion Sicherheit, langjährige Erfahrung können weiterhelfen. Den Erfahrungsschatz der Älteren darf man ruhig ausbeuten.

WE: Maria, was muss ein Talent bereits mitbringen, welche Eigenschaften?

Maria: Große Neugierde auf das, was kommen kann und Interesse am Unternehmen. Bei Stefan hat jeder Satz beim Vorstellungsgespräch getroffen, er war vorbereitet und sehr überzeugend, warum er seine Ausbildung bei uns machen will.

WE: Maria, wie verändern sich Auszubildende in ihrer Lehrzeit?

Maria: Die Auszubildenden werden bei uns von Monat zu Monat selbstsicherer. Wir stellen den Lernzielplan entsprechend auf, um den jungen Menschen von Anfang an zu einem erwachseneren, strukturierteren Menschen anzuleiten, der seine Potenziale entwickeln kann.

Stefan: Dazu kann ich sagen, ich empfinde es nie als Druck, sondern motivierend, mein eigenes Potenzial auszuschöpfen. In unserer Firmenkultur wird man als Mensch so genommen, wie man ist und wie man tickt.

Maria: Das macht ja Sinn. Am Ende der Ausbildung haben wir die passende Aufgabe und Abteilung für alle gefunden und setzen sie dort ein, wo sie für das Unternehmen die Effizienz bringen, dahinter steht letztendlich Umsatz.

WE: Stefan, als Young Talent durchläuft man alle Abteilungen. Wann fühlst Du Dich gut aufgehoben in einer Abteilung?

Stefan: Jedes Teammitglied wird in der Abteilung vorgestellt, man geht von Platz zu Platz und begrüßt alle, dann fühlt man sich gleich wohl. Es gibt keine einzige Abteilung, wo ich mich nicht getraut hätte, jemanden anzusprechen, es entstehen eher freundschaftliche Verhältnisse.

WE: Stefan, Du bist im Young Talent Rat. Es gibt ihn nicht an allen WE-Standorten. Aber was ist das?

Stefan: Es ist die Jugend- und Auszubildenden-Vertretung des Unternehmens, mit vier Personen, in das man gewählt wird. Wir arbeiten eng mit dem Young Talent-Board zusammen. Man fungiert als Sprachrohr, darüber hinaus haben wir noch diverse Zuständigkeiten, beispielsweise die Organisation einer Weihnachtsspenden-Aktion. Um gewählt zu werden, hält man als Kandidat eine kleine Ansprache mit den eigenen Ideen.

WE: Welche Deiner Ideen konntest Du in dieser Funktion schon umsetzen?

Stefan: Mit „WEstudy“ konnten wir eine kleine Lernplattform für Azubis und Studenten im Intranet schaffen. Ich hatte allgemein Lust, etwas aufzubauen und voranzutreiben.

WE: Maria, wie arbeitest Du mit den Young Talents zusammen?

Maria: Sie fangen tatsächlich viel von dem ab, was sonst bei uns aufkommt im Büro. Auf einer ganz anderen Ebene. Etwa Fragen zur Berufsschule, wenn sich jemand über einen Lehrer aufregt, wie es einem mit Corona geht,… Da ist Stefan vom Alter näher dran, das passt besser, auch wenn unser Azubis tolle Tutoren haben. Aber der Austausch mit einem Young Talent passt bei vielen Themen besser von der Altersstruktur. Und wenn etwas Schwerwiegenderes aufkommt, kommen sie zu uns.

WE: Wenn die Firma sagen würde: „Maria, Stefan, ihr macht habt jetzt einen Tag Zeit, um dem anderen etwas zu zeigen, das er/sie unbedingt kennenlernen sollte“, wohin würdet ihr gehen?

Maria: Dann würde ich mit Stefan eine Alpen-Bergwanderung auf 2000 Meter machen: Stefan, Du musst einfach zum Bergkreuz, dem Himmel so nah sein. Es ist unglaublich schön!

Stefan: Da wäre ich dabei! Maria, ich würde Dich nach Stuttgart in ein Serbisches Restaurant mitnehmen, mit anschließender Livemusik.

Maria: Da würde ich auch sofort mitgehen. Ein afrikanisches Restaurant gibt es da auch noch. Machen wir alles! Nach Corona. Das wird lustig!